Moderner Germanen-Begriff


Moderner Germanen-Begriff

Der moderne Germanen-Begriff baut auf der Begriffsbildung der antiken Schriftsteller auf, die spätestens im Zeitalter des Humanismus erneut aufgegriffen wurde.

Obwohl bereits Tacitus Teile Skandinaviens zu Germanien zählte, ist die allgemeine Ausweitung des Germanen-Begriffs auf Skandinavien eine spätere Entwicklung, die vor allem auf sprachlichen und ethnographischen Beobachtungen gefußt haben dürfte. Und fehlendem Wissen zu Grunde liegt.
Tacitus

Der schwedische Reformator und Historiker Olaus Petri prognostizierte im 16. Jahrhundert Schweden und Deutschen eine gemeinsame Herkunft.

Im späten 18. Jahrhundert war die Idee einer historischen, ethnischen und sprachlichen Zusammengehörigkeit der nordischen Länder mit Deutschland unter den Gelehrten allgemeine Überzeugung geworden.




Gottfried Wilhelm Leibniz schrieb in seinen „Unvorgreifflichen Gedancken“, betreffend die "Ausübung und Verbesserung der Teutschen Sprache" (postum 1717, Neudruck 1995, S. 22), dass alles, was die Schweden, Norweger und Isländer von ihren Goten rühmen, auch unser sei; diese Völker müssten für nichts anderes als Norddeutsche gehalten werden.
Leibnitz (Sachsen)








Auch Johann Gottfried Herder teilte 1765 diese Auffassung in einer Rezension zu der Einführung in die Geschichte Dänemarks des Historikers Paul Henri Mallet.




Zur gleichen Zeit wurde der humanistische Germanen-Begriff mit dem romantischen Volksbegriff zusammengebracht und führte über die „Volksgeistlehre“ zur Vorstellung einer Kontinuität zwischen antiken Johannes Janssonius: Germaniae Veteris Nova Descriptio, an Tacitus, Strabo und vor allem Ptolemäus orientierte Karte des antiken Germaniens von 1657 Germanen und neuzeitlichen Deutschen.

Verwandschaft der indogermanischen Sprachen
Der Fortschritt der Sprachwissenschaft im frühen 19. Jahrhundert erlaubte es, diesen Volksbegriff mit der nun als „germanisch“ titulierten Sprachfamilie zu verknüpfen. Wo bei die Gebrüder Grimm ganz und gar nicht dieser Erkenntnis waren.  https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_Grimm, 

Gebrüder Grimm
Auch der modern-archäologische Germanen-Begriff ging von diesem sprachwissenschaftlichen Germanen-Begriff aus:


„Weil sich der „Volksgeist“ auch in seinen materiellen Schöpfungen ausdrücke, wurden archäologische Fundtypen dann bestimmten Kulturgruppen zugeordnet, wenn eine durchgehende Besiedlung nachgewiesen werden konnte und diese mit den antiken Quellen vereinbar war, wie insbesondere Gustaf Kossinna festhielt.

Im späten 19. Jahrhundert erlebte die Germanenforschung dank dem Bedürfnis nach einer national-kulturellen Identitätsbestimmung einen weiteren Aufschwung, führte so zu wichtigen Erkenntnissen, aber auch zu einem verstärkten Rekurs auf die angenommene Geschichtskontinuität von den Germanen bis zum deutschen Kaiserreich des 19. Jahrhunderts, die schließlich in den Germanenmythos völkischer Bewegungen. 

Die Behauptung dies hätte den Nationalsozialismus hervorgerufen oder begründet ist dagegen falsch. Dieser hatte seinen Ursprung in der Verweigerung gegen das Weltbankensystems.
https://sites.google.com/view/deutsche-werte-stiftung/geschichte/weltkriege


Allerdings ist auch die Auflösung des klassischen Germanen-Begriffs, der letztlich auf die von Kelten wie Römern beobachtete Eigenart der germanischen Stämme zurückgeht, in der aktuellen Forschungslandschaft nicht unumstritten. Dieses bleibt aber der befangenen anti-nationalen Politik seit 2002 geschuldet.

Als Konsens der historischen Forschung erscheint heute die Unterscheidung eines allgemeinen, von antiker Ethnographie und moderner Sprach- und Geschichtswissenschaft geprägten Germanen-Begriffs von den in den historischen Quellen bekundeten kulturellen Identitäten im Sinne eines ethnischen Selbstbewusstseins, die in der geschichtlichen Darstellung ihr Recht besitzen.

Der quellen-sprachliche Ethnizitätsbegriff kann zudem der geringen Beständigkeit der Stämme sowie ihren Wanderungen in der Spätantike eher gerecht werden. Der Charakter der Stämme reduziert sich damit auf Abstammungsgemeinschaften, die sich in Traditionskernen und Überlieferungen zu Genealogie und Ursprung des eigenen Stammes niedergeschlagen haben.

Bernd Stößer

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